In den vergangenen Jahren erlebe ich in der Beratung eine Verschiebung. Immer mehr Anfragen kommen von Menschen, die sich selbständig gemacht haben und nun feststellen, dass die Zahlen nicht mehr aufgehen. Sie haben kein finanzielles Polster mehr. Mahnungen von Lieferanten stapeln sich, die Umsatzsteuer beim Finanzamt ist offen und gleichzeitig laufen noch Kredite aus der Gründungsphase. Wer sich in dieser Lage befindet, fragt sich zunächst: "Ist meine Selbstständigkeit noch zu retten? Oder habe ich das alles vermasselt?"
Wenn die Frage im Raum steht, ist sie meistens schon überfällig
Fragst du dich als Selbstständiger oder Freiberuflerin beim Sortieren offener Rechnungen: "Ergibt das alles überhaupt noch einen Sinn?"
Unterschiede, Pflichten und Risiken im Überblick
Viele Menschen starten in die Selbstständigkeit, ohne genau zu wissen, was sie eigentlich sind. Selbstständige oder Freiberufler? Das klingt wie eine bürokratische Kleinigkeit, hat aber reale Konsequenzen, steuerlich, buchhalterisch und im schlimmsten Fall auch insolvenzrechtlich. In der Beratung begegnet mir das regelmäßig.
Selbstständig oder freiberuflich zu sein heißt häufig auch: Du bist dein eigenes Lohnbüro. Meist keine externe Buchhaltung im Hintergrund. Kein Arbeitgeber, der die Steuer automatisch abführt. Du hast Einnahmen, denn du stellst die Rechnungen. Regelmäßig wird dir dein Steuerbüro oder dein Buchhaltungsprogramm mitteilen, was du an das Finanzamt überweisen musst. Die angezeigte Summe ist nicht das Problem. Es ist das Irgendwann, wenn du gerade finanziell am Limit bist und nicht zahlen kannst. Steuerschulden entstehen selten von Jetzt auf Gleich. Aber, das Finanzamt ist kein gewöhnlicher Gläubiger...
... als Selbstständiger oder Freiberufler. Finanzielle Krisen kommen nicht von jetzt auf gleich. Ganz im Gegenteil, sie bauen sich über Monate oder gar Jahre auf. Ja, den radikalen Kahlschlag gibt es, der einem die unternehmerischen Beine wegzieht, wenn ein solches Szenario auch eher die Ausnahme ist. Denn, betrachten wir die Situation näher, wird schnell deutlich, dass die kleinen Alarmsignale bereits im Vorfeld genau davor warnten. Oft ergibt sich dadurch ein anderes Gesamtbild. Nicht das, was du dir gewünscht hättest, schon klar. Aber darin liegt auch eine Chance. Wer die Signale kennt und sie früh ernst nimmt, hat mehr Möglichkeiten als jemand, der erst handelt, wenn die Vollstreckungsankündigung ungeöffnet in der Schreibtischschublade liegt.
